Der verlorene Museumswagen
Frühe Nürnberger Industriegeschichte
In den Jahren 1899 und 1900 beschaffte die Nürnberg-Fürther Straßenbahn insgesamt 40 kleine, vierachsige Triebwagen von der "Maschinenbau-Actiengesellschaft Nürnberg" (später MAN) und der "Elektrizitäts-AG vorm. Schuckert& Co." (später Teil der SSW). Es waren die ersten elektrischen Triebwagen beider Firmen für Nürnberg, die später die Hauslieferanten der Nürnberger Straßenbahn werden sollten.
Mit nur 8,90 Meter Länge waren die Fahrzeuge nur wenig länger als ersten elektrischen Wagen von 1896. Dank der Drehgestelle war der Einsatz auch in den engen Bögen des Gleisnetzes der früheren Pferdebahn möglich. Die insgesamt 40 Fahrzeuge wurden in zwei Serien geliefert, die sich nur geringfügig voneinander unterschieden. Die Druckluftbremse der Fahrzeuge 100-123 (später 101-1024) wurde in der zweiten Serie nicht weiterverfolgt. Stattdessen erhielten die Fahrzeuge 125-140 als erste Wagen überhaupt eine elektrische Kurzschlussbremse und das für Nürnberg besondere an den Enden heruntergezogene Laternendach.
Triebwagen 118 gehörte zur ersten Serie mit Druckluftbremse und noch ohne das später für die Nürnberger Wagen so charakteristische, an den Wagenenden heruntergezogene Laternendach. Aufgenommen im Lieferjahr 1899.
(Aufnahme: VAG-Archiv, koloriert)
Rasche Entwicklung in der Straßenbahn-Technik
Die Fahrzeuge waren anfangs insbesondere auf den Linien zwischen Nürnberg und Fürth im Einsatz. Bedingt durch den raschen Fortschritt auf dem Gebiet der Straßenbahntechnik mit immer leistungsfähigeren Triebwagen wurden die Wagen schnell auf Nebenlinien verdrängt: Mit gerade einmal 40 kW Gesamtleistung und einer Höchstgeschwindigkeit von rund 30 km/h waren sie schnell zu schwach geworden, um mit Beiwagen eingesetzt werden zu können.
Triebwagen 129 im letzten Betriebszustand der späten 1920er Jahre neben einer Wagenhalle im Hauptdepot Fürther Straße.
(Aufnahme: VAG-Archiv, koloriert)
Die "verlorenen Oldtimer"
Bis zum Jahr 1930 wurden alle Fahrzeuge der Serie ausgemustert und verschrottet – Größe und Beschleunigungsvermögen konnten den gestiegenen Anforderungen im Betrieb längst nicht mehr Schritt halten. Der Tradition folgend, von jedem Fahrzeugtyp ein Exemplar zu erhalten, wurden die Wagen 124 (ursprünglich 100, erster Wagen der Serie) und 140 (letzter Wagen der Serie) als Museumswagen erhalten. Die Not nach Ende des zweiten Weltkriegs führte jedoch zur Verschrottung beider Wagen, den meisten Quellen zufolge im Jahr 1946. Ihre Drehgestelle wurden als Fahrwerke für Trümmerloren in den ersten Nachkriegsjahren noch weiterverwendet.
Verschrottung der 100er Triebwagen in der Hauptwerkstätte Muggenhof im Jahr 1930. Die Wagen 1024 und 140 blieben als Museumswagen erhalten. Die Not nach dem zweiten Weltkrieg führte aber ebenfalls zu ihrer Verschrottung.
(Aufnahme: VAG-Archiv, koloriert)
